Ich bin ein Verteidiger der Buchpreisbindung gewesen.

Geschrieben von René am 14. März 2012 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Ich bin ein Verteidiger der Buchpreisbindung gewesen.

Sie war ein geeignetes Mittel, um für eine gute Verteilung von Kultur durch Pflege und Erhalt einer breiten Sortimentslandschaft zu sorgen.

Sie sorgte dafür, dass Margen in der Branche blieben, mit denen unter anderem Literatur finanziert wurde.
Sie half Buchhändlern, in Regionen noch Buchhandlungen zu betreiben, in denen andere Zweige des Einzelhandels es schon deutlich schwerer hatten, gegen die Angebote auf der grünen Wiese anzukommen.
Sie entlastete den Buchhändler, der sein Geschäft nicht nur des Geschäfts wegen betrieb, sondern auch der Kultur wegen. Sie erlaubte ihm ein breites Sortiment und zwang ihn nicht, seinen gesamten Einkaufsetat der Konditionen wegen auf wenige Lieferanten zu beschränken.
Vielleicht hilft sie auch den kleineren Verlagen, deren Produkte sich seltener in solche Auflagenhöhen verkaufen lassen, dass Luft für den Preiswettbewerb wäre, in den ihre Titel gerieten, würden sie mit den Dumping-Angeboten der Bestseller-Verlage mithalten müssen.
Die Buchpreisbindung hat hier gute Dienste getan, die mir wertvoll sind, weil mir ein breites Angebot, viele Buchhändler, viele Verlage wertvoll sind.

Aber diese Argumente greifen in den Zeiten des eCommerce und der Digitalisierung nicht mehr so richtig.
Amazon hat großen Erfolg trotz der Preisbindung. Bei gleichem Preis zählt der Service, und für immer mehr Kunden scheint der Online-Handel hier die Nase vor dem stationären Sortiment zu haben. Die Kunden kennen die Preisbindung oft nicht mehr und wenn doch, dann meinen sie, sie gelte vielleicht nicht im Internet. Oder sie erfahren sie nicht mehr dort, wo es zu jedem Neubuch auch noch das neuwertige Gebrauchtbuch gibt.
Ich fürchte, wir Buchhändler, die wir uns von der Preisbindung geschützt fühlen, halten sie wie einen Schirm über uns, der schon jetzt vielfältig durchlöchert ist. Nur merken wir noch nicht, dass wir schon lange nass werden.

Ungeeignet scheint mir die Preisbindung zu sein, wenn wir die Entwicklung im eBook-Geschäft nur einen Moment weiterdenken. Noch versuchen wir mit größter Anstrengung, das Stückgeschäft aus der Papierwelt in die digitale Welt zu übertragen.
Aber es ist schon jetzt an jeder Ecke erkennbar, dass dieses Modell ein Auslaufmodell ist.
Mit Skoobe ist jetzt die eBook-Flatrate im deutschen Publikums-Buchmarkt angekommen. eBooks leihen kostet weniger als kaufen, und doch fühlt sich das Lesen in beiden Fällen gleich an.
Ob wir von der Verteilungs- in die Beteiligungswelt wechseln, wie Marion Schwer in ihrem wunderbaren Blogbeitrag schreibt (http://www.innovation-prototype.de/?p=793), oder ob wir künftig Zugänge vermitteln, statt Wissen in abgepackten Portionen zu verkaufen – es entstehen Modelle um uns herum, die zu verlockend sind, um sich mit ihnen nicht beschäftigen zu wollen, aus Angst, die Preisbindung zu beschädigen.

Wir müssen umdenken – es hilft nichts.

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