Brauchen Buchhändler Tablets?

Geschrieben von René am 22. Oktober 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Eine aktuelle Bitkom-Studie befaßt sich auch mit den genutzten Lesegeräten für eBooks. „Tablet Computer werden voraussichtlich das wichtigste Mediengerät – auch für E-Books“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg:
http://www.bitkom.org/de/presse/30739_77541.aspx

Ich bin nicht so sicher, ob der dargestellte Zusammenhang zwischen Tablets und Lesen nicht etwas trügerisch ist.
Laut einer aktuellen Studie sagen 30% der Tablet-Besitzer, sie hätten schon einmal ein Buch auf einem Tablet gelesen.
70% nutzen ihr Tablet bisher also nicht zum Lesen.
http://www.new-business.de/newmedia/detail.php?nr=643068&rubric=NEW+MEDIA&

Ich vermute, der Anteil der eReader-Besitzer, die schon mal ein eBook auf dem Reader gelesen haben, ist deutlich höher.

Aktuell ist die Zahl der Deutschen, die schon einmal auf einem Tablet ein eBook gelesen haben, gleichauf mit der Zahl der Deutschen, die dies auf einem Reader getan haben.

21% der eBook-Leser läsen diese auf einem Tablet, 18% auf einem eBook-Reader.
http://www.smart-digits.com/2013/10/wer-nutzt-tablets-ereader-und-smartphones/

Wir haben aber in Deutschland etwa sechs mal so viele Tablets wie Reader auf dem Markt.

Eine weitere, allerdings mangels jeglicher Skalen zunächst höchst angreifbare, Grafik zeigt offenbar, daß es einen signifikanten Unterschied auch noch in einem weiterem Punkt gibt: Möglicherweise ist die Zahl der Buchabbrecher (”Buch nicht zu Ende gelesen”) bei Tablets deutlich höher als bei Readern:
http://www.the-digital-reader.com/2013/10/03/numbers-new-data-readmill-shows-iphone-owners-read-ipad-owners-much/#.UmY4V1PGCHt

Ich schließe aus diesen Aussagen, daß ich als Verlag darauf achten müßte, meine eBooks auch für Tablets aufzubereiten und deren Vorteile (Farbe…) auszureizen - weil Tablets auch Lesegeräte sein können.

In wieweit es für Buchhändler eine gute Strategie ist, Tablets zu verkaufen, muß sich aber noch zeigen. Zumindest wenn man nicht weitere Medien (etwa Musik, Flme, Games, Apps) mitverkaufen möchte und kann, könnte das Geschäft mühsam werden, weil eben vielleicht nicht jeder Tablet-Verkauf auch mit eBook-Folgegeschäften einhergeht.

Es gibt sogar eine These von Nicholas Carr, Autor des Titels “Wer bin ich, wenn ich online bin… Und was macht mein Gehirn so lange?“, die besagt, daß Tablets in Bezug auf eBooks kontraindiziert sind:
»5. The shift from e-readers to tablets is putting a damper on e-book sales. With dedicated readers, pretty much the only thing you can do is buy and read books. With tablets, you have a whole lot of other options. (To put it another way: On an e-reader, the e-reading app is always running. On a tablet, it isn’t.)«
http://www.roughtype.com/?p=229

Identitätsprobleme im eCommerce

Geschrieben von René am 4. Oktober 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Auf der Suche nach den Treibern für erfolgreiches bzw. Gründen für erfolgloses eCommerce wird viel über das Sortiment, die Suche, die Preise, Versandkosten und die Werbung gesprochen.

Ein Aspekt kommt dabei in den meisten Untersuchungen möglicherweise zu kurz - die Kundenidentität.

Bei einem Einkaufsbummel im Kiez kennen mich die einen mit Namen, andere zumindest mein Gesicht, manche wissen auch nach 10 Jahren noch nicht, daß ich bei ihnen einkaufe. Aber wie auch immer mir begegnet wird - wenn ich stationär einkaufen gehe, bin ich meistens mehr oder wenige derselbe.

Normalerweise zahle ich bar - ansonsten nutze ich meine EC- oder Scheckkarte; in Ausnahmefällen darf ich anschreiben lassen. Ich habe seit 20 Jahren dasselbe Portemonnaie, die Karten stecken immer in denselben Schlitzen, die Scheine sortiere ich nach Größe.

Das Einkaufen funktioniert gut - mittlerweile fast in ganz Europa ohne Umstellung (nur in der Schweiz und bei ein paar seltene Reisen muß ich mit einer anderen Währung zurechtkommen).

Im Internet bin ich dagegen immer noch regelmäßig im Ausland - und weiß nicht mal, ob im befreundeten oder feindlichen. Wenn ich nicht gerade bei Amazon bin, werde ich nicht erkannt. Ich bin ein Fremder. Wenn ich etwas kaufen möchte, muß ich mich in ein fremdes System einloggen - dazu muß ich dem Shop sensible Daten preisgeben: Meine Email-Adresse, mein Passwort (das ich mir, wenn es nach mir ginge, nicht für jeden Shop neu ausdenke würde), eventuell Antworten auf private Fragen, um mein Passwort wiederzubekommen, wenn ich es vergessen habe.

Beim Einkauf dann Geburtsdaten, Wohnort (klar - wohin soll denn der Einkauf geschickt werden), Bankverbindung, Kreditkartendaten usw.

Und all das möchte jeder auf andere Weise erfahren: Manche haben Sonderwünsche an mein Passwort (”mindestens eine Ziffer, einen Großbuchstaben, ein Sonderzeichen”), andere fragen nach intimen Details (”Vorname Ihrer Mutter”, “Lieblingsspeise”).

Jeder hat beste Gründe, um die Telefonnummer zu bitten (”nur für Rückfragen”).

Und alle miteinander sorgen sie für nachhaltiges Unwohlsein in der Identitätszone. Ich bin nie wirklich ich, sondern immer ein Schlüssel, der möglichst gut in das Schloß des anderen paßt. Ich versuche, die Regeln des anderen zu verstehen, sein Spiel mitzuspielen, nicht aufzufallen - all das, was man als Fremder in der Fremde eben so tut.

Wir bei Kohlibri haben unterschiedliche Shops im Einsatz. Einige bieten dem Kunden alternativ ein Kundenkonto oder einen Gast-Account. Beim Gast-Account werden die Kundendaten nur für den einen Einkauf registriert und dann wieder “vergessen”. Der Hauptvorteil für den Kunden: Wenn er beim nächsten Mal wiederkommt, muß er gar nicht erst versuchen, sich an sein altes Passwort zu erinnern - er kann gleich alles neu eingeben (das Problem: Weiß er beim nächsten Mal noch, daß er nur einen Gast-Account hatte?).

Interessant ist: Ca. 30% der Kunden nutzen die Gast-Account-Option, wenn sie ihnen angeboten wird. Sie wollen sich an ihnen mehr oder weniger unbekannte Shops nicht binden.

Wir alle wissen, daß ein Unternehmen das Identitätsproblem gut gelöst hat: Amazon. Man wird mit Namen begrüßt, muß sich nicht groß erklären, hat auf Wunsch mit One Click die Sache bestellt - es fühlt sich gut an.

Seit ein paar Monaten gibt es Login with Amazon. Amazon bietet meiner Firma kohlibri.de wie allen anderen auch an, die Kundenidentifizierung doch gleich über den Amazon-Account vorzunehmen.

Die Begründung von Amazon ist einfach: Weil die Kunden sowieso schon einen Amazon-Account haben und dem Unternehmen vertrauen, könnte man dieses Vertrauen auf die eigene Webseite übertragen.

Wenn ich es als Unternehmer nun keine gute Idee finde, die Kunden bei mir über den Account meines Wettbewerbers einkaufen zu lassen, habe ich es im Moment schwer, die oben genannten Probleme kundenfreundlich zu umschiffen.

Dabei ist die Technik im Prinzip ausgereift. Amazon, wie auch andere, setzt auf OAuth.

Warum haben wir eigentlich nicht sowas wie ein General-Login? Ist es wirklich sicherer, wenn ich auf hundert Plattformen mein Login und Passwort hinterlasse, und aus jedem dieser Einträge ein potentieller Mißbraucher auf meine vermutlich fast überall genutzten Identitätsschlüssel rückschließen kann?

Warum werde ich nicht in einem Verbund von Shops des Vertrauens als immer derselbe begrüßt, der ich ja schließlich bin? Warum bin ich stattdessen mal Emailadresse, mal Kunstname, mal Vorname Name, mal Kundennummer?

Warum richtet nicht jemand, der nicht Amazon ist, einen Masteraccount ein für alle, die im Internet kaufen wollen und sich sicher fühlen, die aber auch, soweit es geht, sie selbst bleiben wollen? Einen Acccount, auf dem ich jederzeit zentral meine Adresse oder mein Passwort ändern könnte - den ich eventuell sogar zentral löschen könnte, wenn ich es für sinnvoll hielte.

Ich würde mich in einem Online-Shop, der mich mit Namen begrüßt, dann gut aufgehoben fühlen, wenn neben meinem Namen das Siegel des Vertrauens (”Partnershop des Identity Servers”) prangt.

Ich würde mich nicht wundern, wenn mir ein Shop andere Shops, die auch Partner des Identity Servers wären, empfiehle.

Ich behaupte sogar, daß eine solche Lösung eine unabdingbare Voraussetzung für ein funktionierendes Netzwerk von lokalen Online-Shops wäre, wie es sich etwa die KollegInnen von Buy local wünschen.

Ich glaube, ich wäre eher dankbar und erleichtert, wenn ich auch im Internet endlich ich wäre.

Update: Dave Eggers hat den Roman dazu geschrieben und die Firma TruYou dafür erfunden - und offenbar eher die gespenstische Seite an diesem Thema vorhergesagt.
Über die kritischen Stimmen gegenüber amerikanischen Groß-IT-Unternehmen siehe Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung.

Novel Graph

Geschrieben von René am 15. August 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter, Realisierte Projekte

In diesem Sommer haben wir ein Projekt realisiert, über das wir schon länger nachgedacht haben:

Novel Graph ist unser neuer Graphic Novel Shop - wir zeigen alle relevanten Titel, AutorInnen und Labels.

Das Team

Die Konzeption für den Webauftritt und die grafische Umsetzung stammen von René Kohl.

Der Shop setzt auf dem Kohlibri-Shop auf - hier wurde auf den Template-Wechslet zurückgegriffen, den Mario Lorenz,  www.the-real-world.de, für den XTC-Shop von Kohlibri entwickelt hat.

Mario Lorenz  hat auch verschiedene elegante Slider-Elemente in die Titeldetailseiten integriert.

Redaktionelle Unterstützung bekommen wir zur Zeit von Inga Wurzbach, die fast die komplette Katalog-Erstbestückung übernommen hat und vielfältig und kompetent für PR und Marketing zuarbeitet.

Mein Dank an die Frau- und Mannschaft!

Einige Features

Novel Graph besteht aus mehreren Bausteinen:

Der Shop

  • Der Online-Shop arbeitet mit großen Coverabbildungen.
  • Die Listenansicht ist prioritär auf Kachelansicht voreingestellt - so kann man mehr der guten Cover auf einen Blick zeigen.
  • Ins Titeldetail sind unterschiedliche Tools zum Präsentieren von Bildern aus dem Inhalt integriert. Diese können sowohl slidern als auch in einer Pop-Up-Version erst vergrößern und dann slidern.
  • Die Autoren bekommen eine dynmisch erzeugte Autorenliste.
  • Die Verlage/Labels bekommen einen eigenen datenbankgestützten Bereich, in dem sie gut präsentiert und mit ihren Titeln verlinkt werden können.

Der Blog

Der Blog ist, parallel zum Shop, in drei thematische Säulen strukturiert: Es gibt Titel, Autoren und Verlage.

Um schnell an hochwertigen Content zu kommen, werden gleich am Start zwei Interview-Reihen gebracht: Eine Interview-Serie mit Graphic-Novel-Verlegern und im Anschluß eine Serie mit deutschsprachigen Künstlern.

Aus dem Blog wird an vielen Stellen in den Shop gelinkt.

Facebook

Auf Facebook wird das Projekt mit vielen kleinen Tagesinfos begleitet. Wir linken von dort sowohl in den Shop wie in den Blog.

Suhrkamp-Schlamassel

Geschrieben von René am 28. Mai 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Suhrkamp-Vorschau 2/13. Aus den Teasertexten:

Du willst nur noch in den Geräuschen des Moores sprechen.
Die Sonne bröckelt.
Ein Höllenritt.
Aber sobald die obere Hälfte der Augenlider zugeht, fängt gefährliches Chaos an.
Ich kann den Tod nicht akzeptieren.
Das Abenteuer an sich.
Im Grunde ihres Herzens hoffte sie, dass irgendwas passierte, ein Unfall, eine Erkrankung, egal was, und sie aus dem Schlamassel befreite.
Was sitzt nun da: ein Mann oder ein Gedicht?
Zu schade, Realität bloß abzubilden.
Ich glaube, wir sind nicht zu retten.
Vom Scheitern einer Epoche.
Verrücktheit ist der Preis der Freiheit.

Ist gegen Amazon ein Kraut gewachsen? Ja - aber vermutlich nicht eins, sondern viele.

Geschrieben von René am 24. Mai 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter, Interviews & Artikel

Interview mit dem Anzeiger, dem Magazin für den Österreichischen Buchhandel, Mai 2013

Anzeiger: Wie hat sich die Rolle des Buchhändlers durch das Internet verändert? Wie wird sie sich weiter entwickeln?
Ich will die Antwort auf 5 Aspekte begrenzen:

a) Google & Co
Schon das Internet ohne Amazon hat / hätte vieles verändert.
Einer der USPs (Recherchekompetenz des Buchhändlers) geht schon ohne Amazon teilweise verloren - der Kunde kann viele Dinge selbst, direkt, nach Feierabend usw herausfinden.

b) Amazon & Co.
Ein Versender, der jedem die Waren bis ans Bett liefert, tangiert den zweiten USP: Die Warenbeschaffung wird längst nicht mehr exklusiv durch die etablierten Buchhändler alleine organisiert.

c) Amazon, Apple & Co.
Die Digitalisierung tangiert den dritten USP des Handels - das Vorhalten der Ware.
Noch schneller, als das Buch im Laden abzuholen ist es, es mir auf meinen Reader zu laden.

d) Facebook und Goodreads
Social Media und Social Reading betreffen den vierten USP des Handels: Das Empfehlungswesen organisiert sich teilweise neu.
Natürlich interessiert mich, was mein Buchhändler empfiehlt - aber mehr Buchtipps als von meinem Buchhändler bekomme ich durch meine Online-Communities.

e) Smartphones
Smartphones werden mehr und mehr unsere Orientierung organisieren. Schon heute empfehlen sie uns nahegelegen Läden, navigieren Fußgänger durch die Städte, informieren über aktuelle Ereignisse (”Ihr Buch ist eingetroffen”).
Apps und Ständig-online-sein läßt noch schneller ganze Produktgruppen verschwinden (Wörterbuch, Kochrezepte, EDV-Buch, Stadtplan).

Unser Produkte ändern sich, unsere Kunden ändern sich, unser Alltag ändert sich - und so müssen wir uns als Buchhändler auch ändern.
Wenn wir nicht mehr so sehr die Besorgenden, Recherchierenden, Warendepots sind - vielleicht sind wir dann eher Empfehlende, Inszenierende, Unterhaltende?

Wenn die Welt immer digitaler wird, vielleicht sind wir dann immer dinglicher?

Wenn die Welt immer virtueller wird, vielleicht stehen wir dann mehr denn je für das echte Leben, für Autoren zum Anfassen?

Anzeiger: Welche Faktoren sind ihrer Meinung nach ausschlaggebend für den Erfolg im Netz, welche für den Erfolg im stationären Handel?
Eine kurze Antwort, aber vielleicht reicht sie:
Was auch immer man macht - man muß es richtig machen.
Die Gefahr, daß die Nische, in der man steckt, zu klein ist, besteht immer.
Aber schlimmer ist: Keine oder halbgare Kompetenz auf vielen Feldern - das wird immer weniger gebraucht.

Anzeiger: Über welche Kompetenzen muss der Buchhändler der Zukunft verfügen? Werden diese Kompetenzen in der gegenwärtigen Ausbildung des Nachwuchses vermittelt?
Kundenkompetenz
Der Buchhändler muß sicherlich die Kunden besser und neu kennenlernen. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass jeder halbwegs gebildete Mensch ein potentieller Buchkäufer war.
Heute haben die gebildetsten Kunden die meisten Alternativen, sich ihr Wissen und ihre Unterhaltung anzueignen.
Man muß als Buchhändler also sehr genau verstehen, wie man diese Kunden erreicht.

Medienkonpetenz
Man muß nicht alles anbieten und auch nicht alles nutzen - aber man muß alles kennen.

Marketingkompetenz
Wir sind umzingelt von Marketing-Profis der Freizeit-Industrie. Sie alle wollen an die Zeit und das Geld unserer Kunden.
Wir müssen genau wissen, wie unsere Antworten darauf lauten.

Fachkompetenz
Wir müssen uns in unserem Geschäft sehr gut auskennen. Alles, was einfach ist, weiß der Kunde heute besser als wir. Die SPIEGEL-Bestseller-Liste begegnet ihm, wenn er will, 10 mal am Tag.
Je mehr wir wissen, je besser wir uns spezialisieren, desto größer die Chance, eine richtige Nische zu finden.

Das Nachwuchsproblem bekommen wir zur Zeit sicherlich nicht in den Griff. Wir holen uns zu viel “falschen” Nachwuchs, fürchte ich, zu viele Buchromantiker.
Wir brauchen sicherlich mehr Neugiere, Experimentierfreude, Selbstvertrauen beim Nachwuchs - sie müssen uns viel mehr liefern und zeigen, als sie es tun (bzw. wir es zulassen).

Anzeiger: Sie sind seit 1998 mit Kohlibri im Netz aktiv. Wie würden Sie die Entwicklung des E-Commerce seither beschreiben?
E-Commerce sorgt für eine Akkumulation von Fähigkeiten und gleichzeitig für den Zwang, sich jung zu halten.
Datenbanken und Programmierungen haben eine gute Eigenschaft: Sie speichern und bewahren Aktivität.
Anderseits spürt man wegen des immer präsenten direkten Vergleichs den Druck, wettbewerbsfähig zu bleiben, sehr stark.

Für mich ist am beeindruckendsten der Zug zur Kundenorientierung. Wie mache ich es meinem Kunden am bequemsten, was kann ich ihm heute noch anbieten, damit alles flutscht?
Daraus kann man viel lernen - natürlich auch für das stationäre Geschäft.


Anzeiger: Welche Entwicklung hat Sie am meisten überrascht?

Bezogen auf die Buchbranche: Die Arglosigkeit und Ignoranz, mit der der Buchhandel seine einst so extrem vorteilhafte Position aus der Hand gegeben hat.
Wir haben alles verschenkt: Unsere ausdifferenziertesten Kompetenzen haben wir den Invasoren freiwillig vor die Füße gelegt.


Anzeiger: Auf welche technologischen Entwicklungen muss der Online-Handel achten?

Webbasierte Warenwirtschaft/EDV: Hier steht ein großer Sprung noch vor uns. Wann sind unsere ganzen Werkzeuge webbasiert und ins Internet integriert? Wir verknüpfen wir unsere individuellen Shop–Informationen besser miteinander?

Digitale Präsentation: Wir nutzen noch viel zu wenig die Angebote, die das Internet auch für den Verkauf im stationären Sortiment bietet. Wann kommen die digitalen Leseproben in die Schaufenster?

Mobil-Technologie: Die Mobiltechnik wird die Städte weiter verändern - neue Services werden entstehen. Die Zeitplanung wird kurzfristiger, die Bedienung/Lieferung on demand wird noch alltäglicher.

Anzeiger: Welche Megatrends beeinflussen Ihrer Meinung nach den Online-Handel, welche den stationären?
Puh - alle beeinflussen alles.
Globalisierung läßt immer mehr Leute das Original lesen - das befördert die eBooks gegenüber den schwerer zu beschaffenden Büchern.
Konnektivität verändert z.B., Stichwort Social Reading, die Art und Weise, woher wir unsere Lesetipps bekommen und wie wir uns darüber austauschen.
Silver Society ist der Hinweis darauf, daß wir alles einen Punkt größer drucken, etwas wertiger produzieren dürfen - oder unsere Senioren vergrößern sich ihre Lektüre auf dem eReader.
Mobilität bedeutet, daß sich Kieze und Gemeinschaften verändern - längst bleibt nicht mehr jeder dort, wo er gestern noch Stammkunde war.
Über die Frage könnte man ein ganzes Buch als Antwort schreiben - wäre ein schönes Projekt.


Anzeiger: Wie überlebt man als vergleichsweise kleiner Online-Buchhändler neben den Giganten?

Schwer. Wir balancieren kontinuierlich auf dem Rand des Vulkans.
Drei Strategien haben sich herausgeschält:
a) Partnerschaften und Arbeitsteilung: Sie schonen Ressourcen und nützen immer wieder neue Potentiale aus.
b) Exklusivitäten: Alles, was nur wir haben, können wir besonders gut verkaufen - also nach Produkten und Dienstleistungen suchen, die andere so nicht haben.
c) Immer in Bewegung bleiben. Jedes Jahr ist anders. Das ist auf die Dauer allerdings anstregend.

Anzeiger: Ist gegen Amazon ein Kraut gewachsen?
Ja - aber vermutlich nicht eins, sondern viele.

Anzeiger: Wo sehen Sie die größten Versäumnisse der Branche in den deutschsprachigen Ländern bei der Umsetzung von E-Commerce, bzw. bei der Digitalisierung.
Sehr problematisch sehe ich weiterhin, daß im eCommerce kaum Aktivitäten zu sehen sind - und wenn, dann nur solche, die die großen Player schlecht nachahmen.
Da ist in den letzten Jahtren sehr viel versäumt worden - und noch immer ist nicht mal dieser Umstand gedanklich angemessen aufbereitet, geschweige denn, daß man sich über neue Wege Gedanken machen würde.
Bei der Digitalisierung sehe ich die Verlagsbranche mtitlerweile auf einem guten Weg.
Der Buchhandel leidet vertrieblich unter seiner sehr schwachen Präsenz im eCommerce generell - wer keinen Internet-Auftritt hat, kann auch keine eBooks verkaufen.


Anzeiger: Können Sie Best-Practice-Beispiele für den Online-Handel mit Büchern nennen?

Jenseits von Amazon?
Schwierig.
Am überzeugendsten ist für mich seit einiger Zeit der Auftritt von Osiander (www.osiander.de), die wirklich versuchen, online und offline zu verbinden.


Anzeiger: Welche Erwartungen setzen Sie in die Entwicklung einer Metadatenbank?

Metadaten verkaufen Bücher.
Ich hoffe darauf, daß ein wachsender Bestand an strukturierten Daten den Erfinder-Druck erhöht; Daten wollen irgendwohin, und ich hoffe, sie finden viele schöne Wege zu den Kunden hin.
Mehr und ausdifferenziertere Daten erzeugen auch Vielfalt - es ist nicht so leicht, aus den paar Informationen, die der Branche heute standardmäßig zur Verfüfung stehen, einen schönen Shop zu machen. Da geht noch was!

Das Interview entstand im Vorfeld der Jahrestagung des Österreichichen Buchhandels im Mai 2013.
Die Fragen stellte Thomas Keul.

Vorschläge für eine neue Buchplattform

Geschrieben von René am 10. Mai 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Offensichtlich ist man bei der MVB schon drauf und dran, das neue buchhandel.de als erneuerte Shop-Plattform zu konzipieren (so interpretiere ich zumindest diesen Börsenblatt-Artikel); diese könnte, so wie es im Moment aussieht, so etwas wie das jetzige buchhandel.de sein, nur mit mehr Buchhändler-Rezensionen, Verfügbarkeitsdaten und Metadaten an Bord.

Wenn ich die ersten kommunizierten Stichworte richtig verstehe, werden den Nutzern der Plattform vier USPs versprochen:

  • Es soll eine Plattform des hiesigen, lokalen Handels sein.
  • Portofreie Lieferung soll Standard sein.
  • Buchhändler-Rezensionen sollen das Empfehlungswesen beleben.
  • Titelbestände sollen die sofortige Verfügbarkeit anzeigen.

Ich weiß nicht, welche Pfeile die MVB noch im Köcher hat - aber ich halte das Konzept, wie ich es hier zunächst herauslesen kann, für zu kurz gesprungen und möchte meine Einwände und Vorschläge kurz anbringen, bevor wir uns schon in Details (”versandkostenfreie Lieferung”) verlieren:

1.) Amazon nicht nachlaufen
Es gibt unter www.amazon.de im Internet bereits eine extrem umfangreiche Shop-Plattform. Diese liefert portofrei, verfügt über eine gewaltige Menge an Rezensionen und bietet präzise Verfügbarkeiten und Lieferzeiten.
Dazu ist Amazon bei jedem Google-Suchwort top-platziert.
Aus Kundensicht braucht es eine Plattform buchhandel.de als alternativer Shop-Plattform nicht, meine ich (auch wenn ich weiß, daß die Bibliotheken jetzt eine Lösung suchen, die sie nicht mehr wie früher direkt auf Amazon linken läßt).
Wenn es um reine lokale Verfügbarkeitsinformationen geht (”Wer in meiner Umgebung hat den Titel jetzt da?”), wäre eine App das passendere Tool, meine ich.

2.) Buchhändler-Rezensionen
Eine Rezensionsdatenbank als Topf, in den wir alle Rezensionen liefern, scheint mir deutlich zu kurz gegriffen.
Wenn ich mir vorstelle, daß 1000 Buchhändler im Monat eine Rezension schreiben, landen wir bei 12.000 Rezensionen im Jahr.
Wenn ich das mit dem Top-Titel (wenn er es ist) auf www.goodreads.com, einer amerikanischen Social-Reading-Community vergleiche, die kürzlich von Amazon gekauft wurde, sieht man, was ich meine:
The Hunger Games (The Hunger Games #1) by Suzanne Collins
1.554.596 ratings  ·  116.033 reviews
Also: Ein Titel (!) hat 10 mal so viele Rezensionen bekommen (und 100 mal so viele Bewertungen), wie alle Buchhändler in einem Jahr Rezensionen für die Plattform schreiben würden!
Die Rezensionen der Buchhändler können also bestenfalls irgendeine Form von Impuls darstellen - das Ziel muß aber höher gesteckt werden.
Auffällig ist, daß goodreads.com ca. 10 mal so viele Rezensionen eingeworben hat wie Amazon. Offenbar schreiben die Menschen lieber auf eine Plattform, auf der nicht gleich das Kaufen/Verkaufen eine Rolle spielt.

3.) Kundensicht: Was brauchen Buchfreunde im Internet?
Aus Kundensicht muß die Plattform nach meiner Auffassung etwas ganz anderes bieten als eine Shop-Plattform, in der man nach Büchern sucht.
Ich kann mir als sinnvolle Ergänzung des Online-Marktes eine Art Buch-Plattform vorstellen, in der man anderes über Bücher erfährt als nur deren bibliographische Angaben.
Ich möchte etwas wissen über die Geschichte der Bücher, wer hat sie gemacht, warum wurden sie geschrieben, was steht drin, wie sind sie entstanden, wie ist die Rezeptionsgeschichte, wer list sie noch?
Idealerweise ist so ein Magazin personalisiert - jeder bekommt also sein eigenes Buchmagazin mit seinen Themen geboten.
So ein Magazin hätte viele Beitragende: Autoren (die sicherlich noch Plattformen zur Selbstdarstellung vertragen können - Amazon arbeitet auch hier bereits daran), Verlage (die immer mehr Material selbst in Magazinform entwickeln, siehe etwa Diogenes, Metrolit), Buchhändler (siehe 4.), Rezensenten (hier haben wir die nach dem Leistungsschutzrecht völlig unbefriedigende Lösung der künftigen Unsichtbarkeit der Rezensionen) und Leser (siehe die diversen Social Reading-Plattformen).

4.) Was hätten die Buchhändler beizusteuern?
Wie und wo erreicht man Buchkäufer, die auf der Suche nach einer Empfehlung sind? Wie macht man seine Empfehlungskompetenz sichtbar und plausibel?
Welche Vorleistungen muß eine Plattform bieten, bis der Kunde anerkennt, daß hier etwas anderes als das, was auf dem Online-Markt zu finden ist, vorliegt?
Eine Aussage darüber, welche Bücher von welchen Buchhändlern eingekauft wurden, könnte durchaus schon eine Empfehlung sein.
Eine Aussage darüber, welche Bücher die Buchhändler auf ihren Shop-Plattformen herausgestellt haben, wäre ein weiterer Schritt.
Ebenfalls interessant: Welche Titel empfehlen Buchhändler physisch im Laden, in ihren Print-Katalogen usw.
Neben länger geschriebenen Rezensionen, die Mühe machen und Zeit kosten und, auch wenn sie von Buchhändlern kommen, nicht immer elegant sein müssen, sollten schnelle kurze Texte oder, genauso effektiv, Sternchen vergeben werden - ob händisch oder generiert aus Listen, die Buchhändler zur Verfügung stellen (lieber als 12 Rezensionen im Jahr hätte ich eine Liste der 500 Bücher des Jahres aus Sicht des Buchhändlers - also 1000 mal 500 Empfehlungen als Buchhandels-Empfehlungs-Pool).
Darüber hinaus könnten sich aktive Buchhändler über die Güte der Rezensionen und Auswahl der rezensierten Titel auf so einer Plattform natürlich einen Namen machen und hoffentlich dann auch durch Verkäufe davon leben.
Laden-Verfügbarkeiten könnten auf so einer Plattform auch eine Rolle spielen - sie kämen allerdings in der Aufmerksamkeit des Besuchers der Seite erst an zweiter Stelle. Erst würde man über Bücher lesen und dann die technischen/geschäftlichen Details regeln…

5.) Empfehlungen durch Käufer, Verlage, Rezensenten
Die meisten Empfehlungen werden von Leser zu Leser gegeben. Facebooks, Twitter und WhatsApp (die Social-Media-Nachrichtenplattform von morgen) stecken voller Empfehlungen.
Eine Plattform, die erfolgreich sein soll, sollte diese Seiten/Services  tief analysiert haben, eventuell integriert oder gut adaptiert.
Der Witz an dieses Seiten: Das Zeigen, Teilen, Empfehlen geht wahnsinnig einfach. Einfach Link posten, Kurzkommentar dazu und fertig.
So fällt es jedem Laien leicht, am Tag 5 Empfehlungen auszusprechen.
Wenn also ein Ziel der Plattform Masse ist - Masse an Rezensionen/Empfehlungen (und ohne Masse geht online gar nichts mehr), dann brauchen wir sehr schlanke Tools, am besten Tools, die Material auswerten, das bereits da ist, oder andersherum Material produzieren, das automatisch auch anderswo zu nutzen ist.
Das Posten/Empfehlen von Titeln müßte auf sehr schlankem Weg gelingen, etwa als Facebook-Plugin. Per Knopfdruck müßte in verschiedenen Umgebungen schöne runde Titelinformationen zur Verfügung stellen (im Moment linken alle aus der Not oder weil es nichts anderes gibt, zu Amazon).

Ließen sich mit den professionell buchbesprechenden Medien Verabredungen treffen wie: Wenn online ein Buch gezeigt wird, zieht Euch die bibliographischen Angaben aus unserer Buch-Plattform - und schafft so ein Ping-Back zur Rezension auf der Plattform, wären wir z.B. schon einen großen Schritt weiter.

Schöne Visualisierungen, wie so etwas aussehen könnte, liefert zum Beispiel zolabooks.com.

7.) Im Mittelpunkt der Webseite stünde das Buch - mit all seinen Informationen.
Eine solche Buchseite böte sich auch als gute Landing-Page für alle an, die auf eine gute “neutrale” Seite mit echtem Mehrwert linken wollen.

Eine schöne Webseite, die das Buch ziemlich pur zeigt, ist zum Beispiel Mylibretto. Hier ein Beispiel.

8.) Shop-Funktion und Umsätze
Ein Kernproblem von Buchhandel.de war die Shop-Funktion.
Wer liefert die Bestellungen, wer bekommt den Umsatz? Die Lösung, den Kunden am Ende der Bestellung aus 1.000 Buchhandlungen seine Buchhandlung aussuchen zu lassen, war nicht befriedigend. Eine standortbezogene Umsatzvergütung (Versand in dessen Namen bzw. Lieferung an die nächstgelegene Plattform) führt auch nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen. Einige Buchhandlungen sind dann in bestimmten Konstellationen immer TOP, andere immer die Nummer 2.
Die erste Entscheidung müßte sein: Gibt es einen Zentralversand (wie es Libri,  KNV und Umbreit als Fullfilment-Partner anbieten)?
Vermutlich müßte das so ein, wenn man dem Käufer ein einheitliches und zuverlässig Kauf- und Liefererlebnis bieten wollte.
Denkbar wäre also, die Barsortimente einzubinden (wenn die mit ihren Lieferbarkeitsinformationen dabei sein wollen).

Wer bekommt nun was vom Kuchen?
Gerechter wäre es, den Versand-Umsatz (oder die Provision) bei dem zu lassen, der dem Kunden die entscheidende Information gibt (wenn der Kunde sich das Buch im Laden abholt, ist der Verkauf geklärt – sofern die Bestellung online verabredet wird, gibt es ein paar Prozente Provision für die Plattform.)

Hat der Besucher/Käufer einen bevorzugten Buchhändler, so stellt er ihn in seinem Profil ein und behält ihn, solange er nichts ändert - er kauft also alles, was am Lager ist, über seinen voreingestellten Händler. Bevorzugter Buchhändler wird eine Buchhandlung zum Beispiel, indem sie den Kunden auf die gemeinsame Plattform führt – die Buchhandlung wird dann automatisch als bevorzugte Buchhandlung eingestellt und der Kunde muß die Buchhandlung aktiv ab- und eine andere auswählen, wenn er nicht einverstanden ist.

Hat der Besucher/Käufer keinen besondern Buchhändler, und klickt aus einer Webseite heraus auf eine Bestellung, bekommt die Provision derjenige, der die Information gegeben hat (der Verlag, wenn er den Titel eingestellt hat, ein Buchhändler, wenn aus seiner Rezension heraus gekauft wurde.) Die Verlage direkt am Umsatz zu beteiligen, erhöht die Motivtation, ihr wertvolles Wissen nicht nur auf ihrer Webseite vorzuhalten, sondern dies auch in eine Gemeinschaftsplattform einzubringen.

Anteilig für das Fulfillment werden die Lieferanten bezahlt, die den jeweiligen Job machen wollen. Dies zeigen sie an, indem sie ihre Verfügbarkeiten melden oder im Falle der Nichtverfügbarkeit eine Besorgungsdienstleistung anbieten.
Hätten wir zum Beispiel 3 Barsortimente im Einsatz, so würden zunächst diese befragt, ob sie lieferfähig wären. Wenn alle drei sofort liefern könnten, würde nach Zufallsprinzip einer der drei Lieferanten die Bestellung zur Abwicklung bekommen.
Wäre keines der drei Barsortimente sofort lieferbar, würde dasjenige den Auftrag bekommen, das generell oder auf diesen Titel bezogen eine Bestellabwicklung anbieten würde. Würden mehrere Barsortimente die Bestellabwicklung anbieten, würde wiederum nach Zufallsprinzip ausgewählt, wer den Besorgungsdienst bekäme.
Nach diesem Prinzip kämen auch Importeure oder sonstige Spezialisten (aus dem DVD- oder Musik-Bereich zum Zuge – und könnten den Lieferservice für ihre Titel mitanbieten).
(Auf diese Weise würde sich die Frage, wie/so die Barsortimente ihre Verfügbarkeitsinformationen zur Verfügung stellen sollten, beantworten: Weil sie nur dann die Chance hätten, Bücher zu versenden.)

Aus Kundensicht sähe das Geschäft also so aus:
Er käme über die Webseite einer Buchhandlung – seine Umsätze wären somit auf die Buchhandlung gemapt.
Er würde stöbern und sich dann für einen Buchkauf entscheiden. Der Verkäufer wäre die Buchhandlung, der Logistiker wäre das Barsortiment, das am besten lieferfähig wäre – wenn es mehrere wären, entschiede der Zufall.
Aus Kundensicht also: Geld beim Buchhändler gelassen, schnellstmögliche Lieferung erhalten.

Voraussetzung wäre, daß alle Buchhändler, die daran beteiligt sind, mit allen Barsortimenten Fulfillment-Verträge abschließen.

9.) buchhandel.de?
Wenn die oben vorgeschlagenen Gedanken richtig sind, ist die Adresse “buchhandel.de” nur noch als Arbeitstitel interessant – es sollte einen Namen geben, der etwas mehr auf den Magazin- und Stöbercharakter verweist.

Einige Gedanken habe ich bereits früher hier formuliert:
http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum////amazon-kopieren-macht-keinen-sinn-1.htm?no_cache=1?no_cache=1?no_cache=1

Metadatenbank

Geschrieben von René am 9. Mai 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Neuerdings ist ja viel von einer Metadatenbank für den Buchhandel die Rede. Und das schöne an Metathemen ist – jeder kann sich was anderes darunter vorstellen. Ich habe einige Rationalisierungsaspekte vor einem halben Jahr schon einmal diskutiert.

Hier ein paar Gedanken zu einer neuen Metadatenbank - vorab schon mal als Summary für Schnell-Leser:

  • Wer eine Metadatenbank entwickeln will, sollte sich zunächst ausführlich mit der Vielfalt der Datenquellen beschäftigen.
  • Wer eine Metadatenbank einrichten möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er verspricht eine breite Nutzung, dann wird ihm freiwillig mehr gebracht werden, oder er muß er einen deutlich höheren Aufwand betreiben, die Daten einzuwerben.
  • Die Metadatenbank wird erfolgreicher werden, wenn sie die verschiedenen etablierten und künftigen Datenquellen nicht kopiert, sondern referenziert.
  • Der Erfolg der Standardisierung von Metadaten hängt sehr stark von der Infrastruktur ab, diese standardisierten Daten auch zu verwenden. Und diese Infrastruktur wird erst geschaffen, wenn ausreichend viele Daten angeliefert (oder zumindest versprochen) werden.
  • Je präziser die Metadatenbank die Zwecke der Datenlieferanten berücksichtigt, desto erfolgreicher wird sie sein.
  • Metadaten verkaufen Bücher. Korrekte Metadaten verkaufen Bücher besser.
  • Wir haben zu wenig Metadaten im Einsatz. Und klar ist auch – wir müssen auch Mittel und Wege finden, die Daten an die Frau und den Mann zu bringen.


Datenquellen identifizieren

Unter einer Metadatenbank für die Buchbranche stelle ich mir zunächst eine Datenbank vor, die von ihren Betreibern mit dem Ziel gestaltet und betrieben wird, möglichst viele Daten zu erhalten und zu organisieren.

Die Betreiber müssen ein großes Augenmerk darauf richten, möglichst viele verfügbare Daten rund ums Buch einzusammeln.
Sie müssen, wie Google für die ganze Welt des Wissens, als erstes Antennen dafür entwickeln, wo überall etwas über Bücher gesagt wird.
Natürlich bei den Verlagen, die bibliographische Daten erstellen, dann bei Händlern, die weitere Verkaufsinformationen hinzufügen, bei Kunden, die Lesereindrücke haben, bei Rezensenten, die über Bücher schreiben, aber auch bei Shops bzw. Buchkäufern, die Informationen über die Verkäuflichkeit liefern. Das ist ungefähr der Stand heute, wie Bücher organisiert werden.
Daten über Bücher, Autoren, Verlage und das Lesen gibt es aber auch an vielen anderen Orten im Web.

Hier ein paar weitere Beispiele:

  • Bücher werden in Artikeln erwähnt.
  • Blogger schreiben über ihre Lieblingsbücher.
  • Bücher zitieren andere Bücher.
  • Bücher sind vergriffen.
  • Bücher gibt es antiquarisch.
  • Bücher kommen in vielen Sprachen vor.
  • Bücher werden gesucht.
  • Bücher werden besessen.
  • Bücher werden gelesen.
  • Bücher enthalten Zitate.
  • Autoren schreiben selbst.
  • Über Autoren wird geschrieben.
  • Verlage werden genannt.

Wo immer dies passiert, könnte man darüer nachdenken, wie dieses Wissen einzusammeln ist. Amazon hat dies schon lange erkannt – hier einige Beispiele, wie sie dieses Wissen auswerten oder auswerten könnten:
Bücher gibt es auch antiquarisch? Gut, wenn man alle antiquarischen Plattformen kauft – dann weiß man zum Beispiel, wer welche Bücher sucht, welche am meisten gesucht sind.
Bücher kommen in vielen Sprachen vor? Gut, wenn man die Empfehlungs-Sternchen zur amerikanischen Ausgabe auch auf auf die deutschsprachige Version übertragen kann.
Bücher werden digital gelesen? Gut, wenn man sieht, welche Bücher zu Ende gelesen werden.
Bücher zitieren Bücher? Gut, wenn man die Relevanz von Büchern daran ablesen kann, wie oft sie zitiert werden.

Wer eine Metadatenbank entwickeln will, sollte sich zunächst ausführlich mit der Vielfalt der Datenquellen beschäftigen.

Daten sammeln

Wie kommen die Daten in die Datenbank? Hier kann man wohl zunächst zwei Möglichkeiten unterscheiden: Entweder, sie werden gebracht, oder man muß sie holen.
Gebrachte Daten haben den Vorteil, daß die Arbeit, die Datenbank zu erstellen, verteilt wird – wenn sie im richtigen Format gebracht werden.

Geholte oder selbsterhobene Daten machen natürlich deutlich mehr Arbeit für den Datenbankbetreiber. Daten holen ist dann kein so großes Problem, wenn die Daten schon abholbereit vorgehalten werden.

Wie bekommt man Daten gebracht?

Je geringer der Aufwand und je höher der Nutzen des Bringens, desto erfolgreicher wird man im Einwerben sein.

Der Aufwand ist z.B. dann gering, wenn

  • die Arbeit des Datenaufbereits sowie schon gemacht ist
  • das Liefern einfach und standardisiert ist.

Der Nutzen ist z.B. dann hoch, wenn

  • die Verteilung der Daten weiträumig ist
  • der Ertrag aus der Verbreitung hoch ist

Bietet man einen Verteiler bzw. die Nutzung einer Plattform in der Größe wie Amazon an, hat man bessere Argumente für das Einsammeln von Daten, als wenn man einen schlechtbesuchten einsamen Titelkatalog am Ende des digitalen Universums vorhält.

Wer also eine Metadatenbank einrichten möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er verspricht eine breite Nutzung, dann wird ihm freiwillig mehr gebracht werden, oder er muß er einen deutlich höheren Aufwand betreiben, die Daten einzuwerben.

Metadaten und Metametadaten

Unter Metadaten verstehen wir in der Branche offenbar überwiegend Daten über Bücher. Wir wollen also eine Metadatenbank schaffen, in der viele verschiedene Informationen über Bücher eingesammelt werden. Eine interessante Erweiterung könnte aber auch darin liegen, Metametadaten zu erfassen, also Daten über Orte, an denen Daten liegen.
Ein solches Repository würde es ermöglichen, verschiedene Dritte in das Projekt Metadatenbank miteinzubeziehen, ohne daß diese ihre Daten und damit ihren Geschäftszweck selbst direkt in die Metadatenbank einstellen müssen.
So könnte eine Literaturtrailer-Datenbank etwa die Information liefern: „Zu dieser ISBN ist ein Trailer vorhanden.“. Die dann folgenden möglichen Geschäftsprozesse würden dann direkt zwischen dem Nutzer der Daten und der Trailer-Datenbank stattfinden.
Auf diese Weise könnte z.B. vielleicht auch ein wechselseitiges Geschäft mit Medien, die Rezensionen vorhalten, gemacht werden. Nicht die Rezension selbst stünde in der Metadatenbank, aber die Verfügbarkeit einer Rezension und ein Link dazu würden angezeigt.

Die Metadatenbank wird erfolgreicher werden, wenn sie die verschiedenen etablierten und künftigen Datenquellen nicht kopiert, sondern referenziert.

Daten standardisieren, Infrastruktur schaffen

Die Standardisierung der Daten wirkt sich in beide Richtungen aus – beim Input und beim Output. Die Stärke von Standards wird schnell sichtbar, wenn man die Erfolgsgeschichte der ISBN betrachtet – sehr schön zum Beispiel im Produkt-Katalog bei Amazon zu sehen. Sobald wir die ISBN-freie Zone etwa vor den 70er Jahren betrachten (oder auch die Welt jenseits der Bücher), blüht die Zahl der Doubletten-Angebote.
Sehr hilfreich etwa wäre, wenn die ISBN mit einer Zusatzziffer versehen würde oder, noch besser, die „978-“ zu Beginn auf weitere Nummernkreise (Platz wäre noch) erweitert würde, um etwa die Produktgruppen Buch, PDF, ePub und evtl. Hörbuch abzubilden. Dies ersparte eine Menge Referenztabellen (Buch zu ePub zu PDF).

Standards zu etablieren ist ein mühsames und heikles Geschäft. Wer die Marktmacht hat, hat es leichter – wer das Commitment einer möglichst großen Zahl von Marktteilnehmern hat, hat es eventuell noch besser.

In der Buchwelt haben wir für die bibliographischen Basis-Daten mittlerweile halbwegs standardisierte Verfahren. Onix hat uns da einigermaßen geholfen. Für fast alles jenseits des bibliographischen Kernlandes gäbe es zwar, u.a. mit ONIX, mittlerweile ebenfalls Standardisierungsvorschläge, genutzt wird davon aber nur sehr wenig.

Warum ist das so? Mir kommt es im Moment so vor wie ein negatives Henne-oder-Ei-Problem: Was war zuerst nicht da: Die Infrastruktur der Informations-Empfänger, die solchermaßen standardisierte Informationen verarbeitet könnte, oder die Infrastruktur der Anbieter, die diese Informationen standardisiert versendet.

So erhalte ich heute am Tag ca. 10 Emails von Verlagen, die mich auf irgendwelche Marketing-Highlights aufmerksam machen. Viel wirkungsvoller wären diese Informationen am Point of buy –in meiner Warenwirtschaft, in der ich die Bestellungen für morgen ordere.

Aber meine Warenwirtschaft könnte solche Informationen heute nicht auslesen – und die Verlage könnten sie mir nicht schicken.

Der Erfolg der Standardisierung von Metadaten hängt also sehr stark von der Infrastruktur ab, diese standardisierten Daten auch zu verwenden. Und diese Infrastruktur wird erst geschaffen, wenn ausreichend viele Daten angeliefert werden.

Daten verbreiten: Die Geschäftsmodelle

Wenn jemand Daten in irgendweiner Weise aufbereitet und verteilt, verfolgt er damit einen Zweck. Dieser kann entweder in einer direkten Erlösabsicht aufgrund der Datenverwendung liegen (davon leben Kataloganbieter, z.B. durch die Lizenzierung von Daten), oder die Verbreitung erfolgt aus Marketinggesichtspunkten (Titelmeldung-Meldung der Verlage) und der Erfolg stellt sich dann indirekt ein, z.B. durch den Absatz von Büchern auf Grund der vorliegenden Informationen. In der Internet-Ökonomie könnte ein weiteres Motiv noch in der Gewinnung von Aufmerksamkeit liegen (etwa durch die Etablierung von Feedback-Modellen, etwa Backlinks, bei der Verbreitung von Daten).

Wenn die Firmen litvideo oder book2look dem Buchhandel Widgets für die Film- bzw. Leseproben-Präsentation zur Verfügung stellen (also Metadaten + Werbematerial verbreiten), dann, weil sie von den Einstellern der Daten nach „Auflagenhöhe“, also Clicks oder Impressions bezahlt werden.
Wenn ein Verlag noch das letzte Formularfeld bei der VLB-Titelmeldung ausfüllt, dann weil er glaubt, noch diese Information könnte am Ende zu einem Buchverkauf führen.
Wenn Amazon den Bibliotheken die Nutzung seiner Metadaten gestattet, wenn die Bibliothek durch Verlinkung zu Amazon im Moment der Nutzung einen Link zu Amazon dazugibt, tauscht Amazon Daten gegen Backlink.

Eine Metadatenbank sollte in ihrer Struktur diese verschiedenen Aspekte berücksichtigen und eine  entsprechende Infrastruktur schaffen.
Wenn die Betreiber erfolgreich sein wollen, müssen sie die entsprechenden Geschäftsmodelle abbilden können.
Die Nutzung einzelner Daten muß also nachgewiesen werden können, um nutzungsabhängige Erlösmodelle möglich zu machen, die Datenquellen müssen erfaßt werden, um zum Beispiel Rücklinks anbieten zu können.
Und auch die Nutzungsrechte müssen differenziert abgebildet werden können – nicht jeder möchte jedem seine Daten zur Verfügung stellen, manche aber manchen.

Je präziser die Metadatenbank die Zwecke der Datenlieferanten berücksichtigt, desto erfolgreicher wird sie sein.

Datenpflege: Masse und Anreize

Eines der ganz großen Probleme des VLB ist schon heute die Beteiligung und die Datenpflege. Wie kann man diese künftig in den Griff bekommen?
Am einfachsten wäre es, die künftige Metadatenbank wäre die gültige Referenzdatenbank für mehr als nur den Preis. Da aber nur der Preis justiziabel ist, kann dies nicht mehr Verordnung, sondern nur durch Zustimmung geschehen.
Vielleicht kann man aus der Preis-Verbindlichkeit aber einiges lernen: Offensichtlich sind schon heute Verfahren etabliert, um die Datenbanken der Barsortimente und der Metadatenbank miteinander abzugleichen. Warum sollte man dies nicht für mehr Informationen einrichten? Wie müßten Angebote an die Barsortimente aussehen, damit diese damit einverstanden wären? Vielleicht läuft es auf ein Tauschgeschäft hinaus, wenn die Metadatenbank künftig mehr Informationen als heute einwirbt - Daten gegen Datenabgleich.
Weitestgehend ungenutzt scheinen zur Zeit die Möglichkeit, Fehler durch diejenigen melden, wenn nicht korrigieren zu lassen, die sie entdecken.
Weder buchhandel.de noch libreka.de ergreifen zum Beispiel die Chance, Nutzer, die Fehler entdecken, diese online melden zu lassen.
Vielleicht gelänge es sogar, ehrenamtliche Datenpfleger aus der Welt der Buchfreunde zu rekrutieren.
Zusätzlich könnte man mit Belohnungen arbeiten: Jeder Verlag, der einen Eintrag wenigstens einmal pro Jahr aktiv betrachtet (über Pflegeseiten aufruft), bekommt einen Teil der Gebühr erstattet.
Auch hier kann man einiges von Amazon lernen: Jeder, der dort Produkte anbietet, bekommt detaillierte Auskünfte über die Güte seiner Daten vorgelegt.

Letztlich wird vermutlich der Erfolg der Datenpflege, ausgedrückt in besseren Umsätzen, das ausschlaggebende Argument sein.

Metadaten verkaufen Bücher. Bessere Metadaten verkaufen Bücher besser.

Metadaten nutzen

Wozu braucht die Buchbranche mehr Metadaten? Wozu sind sie nützlich?
Über jedes Buch gibt es Tausend Dinge zu sagen – unsere handelsüblichen Metadaten sagen zur Zeit vielleicht dreißig.
Es gibt vielleicht keine andere Branche, die die Chance hat, so breit und vielfältig und strukturiert über ihre Produkte zu informieren wie die Buchbranche.
Natürlich muß man in jedem Fall über den Grenznutzen nachdenken – welche weiteren Informationen könnten zwar auch noch abgefragt werden, brächten aber keinen zusätzlichen Erfolg?
Vereinfacht gesagt würde ich behaupten: Von da, wo wir jetzt stehen, bis zu dem Punkt, ab dem weitere Informationen nur noch nutzloser Zierrat wären, ist es ein weiter Weg. Alleine der deutliche Abstand von Informationen, die Amazon seinen Kunden gewährt, gegenüber den Informationen, die wir Buchhändler unserer Kunden zur Verfügung stellen, zeigt, daß wir noch viel Luft nach oben haben.

Ich sehe im Moment mehrere große Potentiale durch bessere Metadaten:

  • Der Einkauf könnte durch standardisierte Metadaten noch gewaltige Fortschritte erfahren. Zur Zeit   stehen uns Buchhändlern im Prinzip so gut wie keine marketingrelevanten Daten (Werbemaßnahmen, erfolgsversprechende Aussagen, Autorenaktivitäten ec.) in standardisierter Form zur Verfügung.
  • In der Titelpräsentation sind wir im Laden wie online nicht wirklich über den Stand von vor 15 Jahren hinausgekommen. Zu wenig Leseproben, nicht eingebundene Trailer, Schlagworte aus der Zeit der gedruckten Kataloge, um nur ein paar Beispiel zu nennen.
  • Im Web-Marketing kommen wir auch kaum voran: Vor 8 Jahren wurde die Volltextsuche online erfunden und mit der Aussage beworben, daß das Suchen in Buchinhalten künftig ganz neue Zugänge zu den Büchern bringen würde – eingelöst wurde das Versprechen bis heute nicht.
  • Die Einbindung aller im Internet über Bücher kommunizierenden Menschen ist bis heute nicht gelungen. Es sind nicht immer die Affiliate-Euro, sondern oft der Mangel an Alternativen, die viele auf Amazons Titeldetailseiten verlinken lassen.

Wir haben zu wenig Metadaten im Einsatz. Und klar ist auch – wir müssen auch Mittel und Wege finden, die Daten an die Frau und den Mann zu bringen.

Konferenzen und Veranstaltungen

Geschrieben von René am 26. April 2013 | Abgelegt unter Konferenzen und Veranstaltungen

Was läuft in diesem Jahr? Wer konferiert über den Buchhandel, wer referiert über eBooks?
Mein kleiner Vor- und Rückblick:

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 Buchbranchen-Veranstaltung
 Teilnehmer der Veranstaltung
 Vortrag/Panel in Veranstaltung

Der Buchhandel muss sich neu definieren

Geschrieben von René am 26. April 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter, Interviews & Artikel, Konferenzen und Veranstaltungen

Unterhaltsames Gespräch mit Ulli Deurer vom Kunstmann Verlag und Sophie von Lenthe von der Buchhandlung Isartal auf dem Publishers’ Forum 2013.

In einer Diskussionsrunde zum Buchhandel von morgen fragte Helmut von Berg nach den gemeinsamen und künftigen Schnittmengen von Verlagen und Buchhandel und nach dem Selbstverständnis der Teilnehmer.
Die Zuwendung zum Kunden - so ein Fazit - war und bleibt ein Schlüssel zum Erfolg.

Meine These: Die Kernkompetenzen des Buchhandels – darunter die Recherchekompetenz oder der Besorgungsdienst – werden heute durchs Internet abgedeckt - der Buchhändler muß und kann sich daher um andere Dinge kümmern.

Buchreport, 25.4.2013
Publishers’ Forum: Diskussionsrunde zum Buchhandel von morgen

Die Buchwelt in Zahlen

Geschrieben von René am 26. April 2013 | Abgelegt unter Der Sortimentsbuchhändler im digitalen Zeitalter

Gesamtumsatz von Amazon im Jahr 1997 in Milliarden Dollar: 0,147
Gesamtumsatz von Amazon im Jahr 2012 in Milliarden Dollar: 61,093
Gesamtumsatz von Amazon in Deutschland im Jahr 2012 in Milliarden Dollar:  8,732

Gesamtumsatz Deutsche Buchbranche zu Endverbraucherpreisen 2003 in Milliarden EUR: 9,067
Gesamtumsatz Deutsche Buchbranche zu Endverbraucherpreisen 2011 in Milliarden EUR: 9,601
Geschätzter Buchumsatz von Amazon zu Endverbraucherpreisen in 2012 in Deutschland in Milliarden EUR: 1,7

Geschätzter Umsatz von weltbild.de, buch.de, buecher.de und thalia.de in 2011 in Millionen EUR: 471

Entwicklung Deutscher Buchumsatz von 2003 – 2011 in %: 5,9
Entwicklung Inflationsrate von 2003 bis 2011 in %: 14,2

Zahl der Kundenaccounts von Amazon im Jahr 1997 in Mio. 1,5
Zahl der Kundenaccounts von Amazon im Jahr 2012 in Mio: 188

Anteil der Kunden, die Ware auch online kaufen, in Deutschland in 2012 in %: 74
Anteil der Kunden, die mindestens 10 mal im Jahr online kaufen, in 2012 in %: 20

Zahl der Treffer, die eine Suche nach Büchern auf Amazon bringt, in Millionen: 12,8
Zahl der Artikel, die in einem Libri-ASP-Shop verzeichnet sind, in Millionen:  6,0
Zahl der Artikel, die in einer E-Commerce Solution von KNV verzeichnet sind, in Millionen:  1,0
Zahl der Artikel, die auf Buchhandel.de verzeichnet sind, in Millionen:  1,2

Zahl der unterschiedlichen Informationen am Titeldetail auf Amazon.de:  48
Zahl der unterschiedlichen Informationen am Titeldetail auf Libri.-Shops: 26
Zahl der unterschiedlichen Informationen am Titeldetail auf KNV-Shops:  25
Zahl der unterschiedlichen Informationen am Titeldetail auf buchhandel.de:  14

Zahl der Titel, die auf der britischen Amazon-Tochter thebookdispository angeboten werden, in Mio: 9

Zahl der Filme, die in der Amazon-Tochter IMDb verzeichnet sind, in Millionen: 2,5

Anzahl der antiquarischen Bücher, die auf der Amazon-Plattform ABE eingestellt sind, in Millionen:  40
Anzahl der antiquarischen Bücher, die auf der Amazon-Plattform ZVAB eingestellt sind, in Millionen: 25

Zahl der Mitglieder des verbreitenden Handels im Börsenverein im Jahr 2004: 4.440
Zahl der Mitglieder des verbreitenden Handels im Börsenverein im Jahr 2012: 3.573

Umsatzanteil des Sortiments und der Warenhäuser am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2003 in %: 61,0
Umsatzanteil des Sortiments und der Warenhäuser am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2011 in %: 51,6

Umsatzanteil des Verlagsumsatzes am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2003 in %: 17,3
Umsatzanteil des Verlagsumsatzes am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2011 in %: 19,1
Umsatzanteil des Internet und Versandbuchhandels am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2003 in %  9,4
Umsatzanteil des Internet und Versandbuchhandels am Gesamtbuchumsatz im Jahr 2011 in %  17,8
Anteil des Umsatzes aus eCommerce im Sortimentsbuchhandel in 2008 in %: 1,1
Anteil des Umsatzes aus eCommerce im Sortimentsbuchhandel in 2011 in % 1,5
Gesamt-Umsatz des Sortimentsbuchhandels aus eCommerce in 2011 im Millionen EUR 71,5
eCommerce-Umsatz einer Buchhandlung mit 500.000 EUR Jahresumsatz im Durchschnitt in EUR: 7.500

Rohertrag nach Abzug von Wareneinsatz und Portokosten im Jahr etwa in EUR:  1.500
Miet-Kosten für einen White-Label-Shop im Jahr etwa in EUR:  1.200

Angestellte Mitarbeiter von Amazon weltweit in 2012: 81.000
Aushilfskräfte von Amazon im Weihnachtsgeschäft 2012 weltweit:  60.000

Beschäftigte im Einzelhandel mit Büchern in Deutschland in 2003:  33.200
Beschäftigte im Einzelhandel mit Büchern in Deutschland in 2011:  32.300

Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge für den verbreitenden Buchhandel in 2008 ca.: 750
Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge für den verbreitenden Buchhandel in 2012:  443

Ausgaben für Marketing von Amazon weltweit in 2012 in Millionen EUR:  1843
Ausgaben für Werbung im Buchhandel in Deutschland in 2012 in Millionen EUR:  57
Geplante Ausgaben für das Branchenmarketing von 2013 – 2015 in Mio. EUR:  3

Anzahl der Tage, die die Nachricht des Verkaufs der Social Reading-Plattform Goodreads an Amazon ins Börsenblatt brauchte:  5
Anzahl der Kommentare, die auf Börsenblatt online zum Goodreads-Kauf eingestellt wurden:  0
Anzahl der Zeilen, die auf Börsenblatt online über den Kauf zu finden waren:  22
Anzahl der Zeilen von Patrick Bahners und Andreas Platthaus in der FAZ online zum Thema: 180

Anzahl der Leseraccounts auf goodreads.com, in Millionen: 16
Anzahl der Leseclubs, die auf Goodreads vertreten sind:  30.000

Anzahl der Reviews, die auf Goodreads zu lesen sind, in Millionen:  525
Zahl der Jahre, die Goodreads existiert:  6

Zahl der Leser, die die deutsche Social media-Plattform Lovelybooks monatlich aufsuchen: 430.000

Anzahl der Ratings, die Europe Central von William T. Vollmann auf Goodreads erhalten hat: 928
Anzahl der Reviews, die Europe Central von William T. Vollmann auf Goodreads erhalten hat: 141
Anzahl der Reviews, die Europe Central von William T. Vollmann auf Amazon.com erhalten hat: 43
Anzahl der Ratings, die Er ist wieder da von Timur Vermes lmann auf Goodreads erhalten hat: 547
Anzahl der Reviews, die Er ist wieder da von Timur Vermes lmann auf Goodreads erhalten hat: 93
Anzahl der Reviews, die Er ist wieder da von Timur Vermes lmann auf Amazon.de erhalten hat: 964
Anzahl der Reviews, die Er ist wieder da von Timur Vermes lmann auf ebook.de erhalten hat: 8

Höhe des Kaufpreises, den Amazon angeblich für Goodreads zahlen wird, in Millionen Dollar: 150
Wert eines Accounts, der sich in diesem Kaufpreis ausdrückt, in Dollar: 9,40

Zahl der Zugriffe auf die Forumsseite mit der Tolino-Ankündigung auf lesen.net seit dem 25.2.2013: 53.417
Zahl der Zugriffe auf die Forumsseite zum Kindle Paperwhite auf lesen.net seit dem 31.8.2012: 126.644

Zahl der Top-10 der Kindle-Bestseller von heute, von denen ich noch nie was gehört habe: 10

Zahl der eBook-Käufer in Deutschland in 2012 in Millionen: 2,4
Erwarteter eReader-Absatz in Deutschland 2013 in Millionen: 1,4
Geplanter Marktanteil der eReader der Tolino-Allianz für 2013 in Prozent: 36
Die Aufbereitung der Zahlen ist inspiriert von brand eins – empfehlenswert die Ausgabe 4/13: Sie wünschen? Die Zukunft des Handels

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